von hubert » 29.09.2012, 14:11
So gänzlich ohne Abschiedsworte kann ich Dich nicht ziehen lassen. Viele haben Dich gekannt, aber nur wenige kannten Dich. Ich bin einer der Wenigen!
Alles was Samira über Dein Wirken auf der Station schrieb, muss nicht vertieft werden. Damit aber Deine Reise nicht so langweilig, so humorlos verläuft, beame ich Dir eine kleine Episode längst vergangener Tage in den Reiserucksack:
Weißt Du noch, Lui, als diese komischen Leute auf der Station uns besuchten? Der eine war wohl Schlagzeuger und erzählte ständig und überflüssiger Weise von seinem anstehenden „Gig“ in Berlin. Dabei tätschelte er Dir die Rübe, erzählte, erzählte und erzählte. Die Beachtung, die Dir wiederfuhr, tendierte gegen Null und Du ertrugst es mit inniger Hingabe. Eine Hingabe, die kein Knurren, Schnurren, Murren kennt, aber eine Hingabe, die mit der Aufgabe in uns bekannte Höhen wachsen kann. Als Gastgeber fühlt man sich den Gästen gegenüber verpflichtet. Deshalb erwähnte ich so beiläufig wie möglich, dass der kleine Lui hier und da auch schon mal in eine achtlos streichelnde Hand beißen würde. Die Lautstärke und die Intonation meines Hinweises waren so gewählt, dass selbst ein umfallendes Fahrrad in China mehr Beachtung gefunden hätte. Es kam, wie es kommen musste! Lui hatte die Schnauze von der emotionslosen Hand voll und biss volle Kanne hinein.
Ich kannte Lui und wusste somit, dass er nur einmal zu biss; will sagen, dass er niemals nachfasste und somit die fleischlichen Schäden sich in berechenbaren Grenzen hielten. Innerlich verzückt untersuchte Samira die Bisskanäle und zertifizierte einen reibungslosen Ablauf des anstehenden „Gigs“ in Berlin. Lui schämte sich und musste getröstet werden – er bekam heimlich ein Leckerli.
Ja, so war unser Lulle. Ein aufmerksamer Tischkollege, der unhöfliche Tischgesten auf seine liebevolle Art monierte – eine Frau Rottenmeier im Wolfsgewand.
So Lui, jetzt ist es an der Zeit Dir einen schönen Aufenthalt im Himmel zu wünschen. Wenn der Türsteher da oben Dich nach besonderen Wünschen fragt, dann überlege gut, sehr gut:
Ich gehe mal davon aus, dass nicht alle Insassen im Himmel ein Zimmer belegen. Somit solltest Du darauf hinweisen, dass Du nicht im Zimmer von Nuri, Tempo und Rea untergebracht werden möchtest; schließlich hattest Du im irdischen Dasein unter diesem Triumvirat einige A-Karten ziehen müssen. Nimm irgendetwas Gemütlicheres als Herberge. Mein Vorschlag wäre das Zimmer, in dem Dackelchen, Else und Max ihre Himmelswonnen verleben.
So, Lutsche, mach’s gut und denke daran, dass Du immer bei uns bist!